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Belastbare Netzwerke bauen, die durch Krisen tragen – wie geht das?

31.03.2020
© von Adobe Stock | Rido

Von Carola Heine

Seit der Corona-Virus große Teile unseres Lebens lahmlegt, kann man deutlich sehen, wie sich online für Selbständige die Spreu vom Weizen trennt: Einige ängstliche Unternehmer*innen wehklagen. Andere bauen über Nacht neue Communities, stampfen gemeinsame Produkte mit anderen aus dem Boden und sind in der Lage, ihr Geschäftsmodell auf digital umzustellen, ganz als wäre es ein Kinderspiel. Wieso sind die so resilient? Ganz einfach. Sie haben sich schon vorher ein starkes Netzwerk aufgebaut.

Bevor die offline Event-Szene im März 2020 abrupt zum Stillstand kam, hattest du als Gründer*in täglich die Wahl zwischen Start-up Brunches, Networking Veranstaltungen und Workshops jeder Größenordnung in deiner Region. Jetzt hast du eine sogar noch weit größere Auswahl an virtuellen Events, die in jedem sozialen Netzwerk stattfinden. Du musst nur im XING-Eventmarkt vorbeisehen, dich auf meetup.com registrieren oder auf Facebook in die Gruppensuche gehen: Schon kannst du dich in einer neuen Community bewegen.

Networking ist auch für Introvertierte und freiwillige Einzelgänger*innen

Nicht jedem fällt es leicht, sich virtuell oder offline einfach einer Gruppe fremder Menschen anzuschließen. Vor allem, wenn du tatsächlich noch niemanden kennst und einzig die Branche, der Ort oder die offene Fragestellung dich mit den anderen verbindet, kann es schon ein seltsames Gefühl sein, in einen echten oder digitalen Raum zu gehen. Es ist eben nicht jeder das Modell »Rampensau«, welches sich sogar auf riesigen Fachmessen sofort dynamisch rundherum vernetzt. Aber das ist auch gar nicht nötig.

Networking für Newbies – 5 Tipps für Offline Networker

  • Geh in deinem normalen Outfit hin: Sauber, gepflegt und in dem täglichen Look, der Dich authentisch wiedergibt.
  • Nie ohne Visitenkarte: Infos, die du anderen bei einem angenehmen Kontakt schnell und unkompliziert geben kannst.
  • Nie ohne „Elevator Pitch“: Du solltest in der Lage sein, mit wenigen Sätzen und in unter 30 Sekunden Dein Geschäftsmodell vorzustellen.
  • Verhaltensregeln: Freundlich, interessiert – und ganz normal. Networking-Veranstaltungen sind soziale Events, bei denen man nicht durchfallen kann.
  • Geben, erst dann nehmen: Menschen, die nur etwas für sich erreichen wollen, sind weniger erfolgreiche Netzwerker als offen Interessierte.

Vielen Gründenden ist nicht klar, dass bereits die wiederholte freundliche Anwesenheit bei einem regelmäßig stattfindenden Offline-Treffen reicht, um sich nach und nach zu integrieren. Auch schüchterne Leute finden ihren Anschluss: Schließlich sind alle da, um sich zu vernetzen.

Offline ist es erstaunlicherweise am einfachsten, sich in eine Gruppierung einzusortieren, wenn auch aufwändiger, weil die Anfahrt dazukommt. Doch selbst wenn du hingehst und einfach nur alle grüßt, wird es schnell passieren, dass andere dich ansprechen. Geh zweimal hin, dann dreimal und schon wirst du Menschen sehen, die dich erkennen – die dich netter grüßen als beim ersten Mal – dich quasi ganz von selbst fragen, wie es inzwischen läuft. Der nächste Newbie wird dich für einen Stammgast halten, wahrscheinlich bist du es dann auch bereits.

Networking in virtuellen Communities: Nutzen beitragen

Online und in Foren, Gruppen sowie virtuellen Communities ist die Teilnahme an einem Treffen zwar wesentlich unkomplizierter. Dafür wirst du dort auch garantiert nur wahrgenommen, wenn du auch wirklich etwas beiträgst – am besten etwas mit Nutzwert für alle anderen, sobald es sich ergibt. In Zeiten der Corona-Krise lässt sich beobachten, dass viele Unternehmer*innen die Gruppen vor allem nutzen möchten, um dringend eigene Angebote nach vorne zu bringen. Das ist verständlich, aber unfair. Wenn jemand eine Community aufbaut, hegt und pflegt, dann ist diese keine Werbeplattform für alle anderen.

Du kannst auf dein Angebot besser aufmerksam machen, indem du zeigst, dass du ein spannender und interessierter Kontakt bist. Dazu musst du selbst gar nicht mit Knaller-Postings starten. Schau dir an, was die anderen schreiben. Wenn jemand sich Mühe gibt, bedanke dich. Wenn jemand Input liefert, bedanke dich und stelle Fragen. Wenn jemand Inhalte bereitgestellt hat und Fragen beantwortet, bedanke dich und biete Unterstützung an, und so weiter. Sollte dein Angebot zufällig ein Problem lösen, das es aufgrund der Corona-Krise erst gibt (im Vergleich zu »könnte deiner Meinung nach dein Geschäftsmodell jetzt auch mal wieder genutzt werden«), schreibst du das am besten dem Gruppen-Administrator persönlich.

Steter Tropfen höhlt den Stein, so lautet die Devise auch in diesem Fall: Niemand kommt zur virtuellen Tür hinein und baut sich innerhalb von zwei Tagen ein Netzwerk auf. Die Corona-Krise hat die Spielregeln tatsächlich noch etwas verändert, denn es verbindet Menschen schnell und gründlich, wenn sie gemeinsam etwas bewegen wollen.

Belastbare Netzwerke aufbauen: Wie Gartenpflege

Wer sich jetzt während der Krise in virtuellen Communities engagiert und dazu beiträgt, dass möglichst vielen Menschen möglichst viel hilfreiche Informationen zur Verfügung gestellt werden, baut sich naturgemäß deutlich schneller wertvolle Kontakte auf. Das ist auch eine sehr gute Möglichkeit, den Leerlauf durch wegbrechende Aufträge zu nutzen.

Wer bereits über ein starkes Netzwerk verfügt, hat wahrscheinlich schon viel früher erkannt, dass es sich um einen durchlaufenden Prozess handelt, sich solch ein eigenes Umfeld aufzubauen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer gut vernetzt ist, wird als Problemlöser*in, als Experte oder Anbietender für bestimmte Waren oder Dienstleistungen wahrgenommen. Einfach weil es dein Name ist, der den anderen als erstes einfällt, wenn jemand etwas aus deiner Angebotspalette sucht.

Das geht dir selbst ja auch nicht anders. Vielleicht veranstaltest Du keine Fachmessen, aber wenn Dein Kunde eine Messe organisiert und dafür einen begleitenden Fotografen sucht, dann denkst Du mit Sicherheit sofort an die Event-Fotografen, von denen du auf deinem letzten Netzwerktreffen oder in deinem Bekanntenkreis erfahren hast. Entweder weil sie selbst dort waren oder weil jemand tolle Fotos in Auftrag gegeben hatte und diese nun zeigte. Das alte Muster »wer einen kennt, der einen kennt« lässt sich durch aktives Networking enorm verstärken. Doch lokales und regionales Networking ist nicht die einzige Option.

Branchentreffs, Start-up Konferenzen und große Veranstaltungen

Selbst die ganz großen und scheinbar völlig anonymen Veranstaltungen sind eine Möglichkeit für dich, genau passende andere Leute kennen zu lernen, schon bevor sie überhaupt stattgefunden haben. Nutze XING und LinkedIn, Twitter und Facebook, um dich mit allen zu vernetzen, die dir kompatibel scheinen. Kompatibel bitte nicht mit nützlich verwechseln! Networking hat ein Gschmäckle, wenn man andere Menschen grundsätzlich nur auf ihren Mehrwert abklopft. Wenn die Person kompatibel ist, ergibt sich der Nutzen schon irgendwann von selbst.

Doch wie findest du neue Mitglieder für dein Netzwerk, wenn ein Event noch gar nicht stattgefunden hat oder gerade wegen Corona abgesagt wurde? Große Veranstaltungen haben immer eine eigene Website, eine eigene Facebook-Präsenz und einen Twitterkanal, meistens auch noch ein Event auf Linkedin und sind auf Instagram. Notier Dir den #Hashtag zum Event und twittere konsequent mindestens während Deiner Teilnahme und als Fazit Deine Überlegungen und Dein Feedback unter Verwendung dieses Hashtags.

Wo Veranstalter werben, äußern sich Kontakte, gibt es Kommentare und werden auch Menschen erwähnt. Überall dort siehst du also Leute, bei denen es von den Themen her passt. Als Verfasser von Beiträgen, als Interviewpartner, als Kritiker, als Kommentatoren. Schau dich sorgfältig um: Welche Kontakte, Firmen oder Sponsoren wären besonders interessant für Dich? Welche Speaker bereichernd? Wer kommentiert häufig und ist deswegen »sichtbar« und ansprechbar? Wenn du dann die Kontaktaufnahme mit einem »Ich habe gesehen, wir sind beide an XYZ interessiert« eröffnest, stehen die Chancen auf einen spannenden neuen Netzwerk-Kontakt ganz gut.

Überleg also, was Du erleben, wen Du virtuell erreichen willst und was Deine Ergebnisse sein sollten. Was würdest du bei einem Offline-Event tun, um solche Ziele zu erreichen: Kunden finden, eine Marke bekannter machen, Sponsoren bekommen, Kooperationen anstreben, Erwähnungen in den Medien erreichen oder generell neue Kontakte aufbauen?

Jeder Kontakt hat Kontakte.

Wenn du für dich entschieden hast, was du gerne durch Networking erreichen würdest, gehst du gleich viel konkreter vor. Jeder neue Kontakt hat wieder eigene Kontakte und könnte als Multiplikator dienen, wenn es sich ergibt. Damit es sich auch wirklich ergibt, mischst du aktiv mit, wann immer es inhaltlich passt – sei immer aufgeschlossen für eine neue Verknüpfung und so hilfsbereit wie vernünftig, dann hast du in einer Krise wie dieser automatisch ein spannendes und tragfähiges Umfeld.

Du kannst nicht durchfallen beim Versuch, aktiveres Networking zu betreiben, sondern nur gewinnen. Jeder Kontakt zählt.

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Carola Heine ist Autorin, Blogger, Marketing Expertin, Texterin und nicht zuletzt IT-Fachjournalistin mit über 20 Jahren Erfahrung. Als Nerd und Digital Native der ersten Stunde schreibt sie häufig für die Community der Freelancer und anderen Selbständigen oder hilft dem Mittelstand in der operativen Transformation.

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