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Akuthilfe für Gründer:innen in der Corona-Krise

31.03.2020
© von Adobe Stock | Monster Ztudio

Von Carola Heine

Wenn deine Existenzgründung erst frische ein, zwei oder drei Jahre her ist, trifft dich die aktuelle Gesundheitskrise mit voller Wucht. Viele Gründende stehen vor dem Nichts, weil von jetzt auf sofort alle Aufträge weggebrochen sind oder keine neuen folgen. Bitte bleib trotz dieser Entwicklungen so ruhig wie möglich – eine Welle der Hilfe für Unternehmer:innen rollt gerade an.

Aktuell ändert sich stündlich, welche Nothilfen zur Verfügung stehen. In den nächsten Tagen wird jedes Bundesland nicht nur Präventionsregelungen unsere Gesundheit betreffend veröffentlichen, sondern dem Beispiel von Berlin folgen, das mit einer außerordentlichen Senatssitzung https://twitter.com/RamonaPop/status/1240711777865871360  in der Nacht auf den 20. März eine Soforthilfe in Höhe von 600 Millionen Euro für Kleinunternehmen und Selbstständige beschlossen hat. 100 Millionen Euro davon stehen für Klein- und Kleinstunternehmen mit maximal fünf Beschäftigten, Freiberufler und Selbstständige aus den Bereichen Gesundheit, Tourismus, Soziales und der Kreativwirtschaft zur Verfügung. Auch Start-ups und auch solche, die schon älter als 3 Jahre sind, können Anträge stellen.

Die Bedingungen für den Antrag für Einwohner des Landes Berlin, der ausschließlich online https://www.ibb.de/de/wirtschaftsfoerderung/themen/coronahilfe/corona-liquiditaets-engpaesse.html gestellt werden kann: Es muss nachgewiesen werden, dass ein Zuschuss für die Sicherung der beruflichen Existenz in der Corona-Krise erforderlich ist - die Höhe des Zuschusses wird zunächst auf 5.000 Euro begrenzt, kann jedoch mehrfach beantragt werden. Der Senat kündigte an, das Antragsverfahren zu vereinfachen und das Bewilligungsverfahren zu beschleunigen. Das Land Berlin schließt nicht aus, in einem zweiten Schritt dieses Programm auf 300 Millionen Euro aufzustocken.

Auch der Berliner Liquiditätsfonds https://www.ibb.de/de/foerderprogramme/liquiditaetshilfen-berlin.html wird vorübergehend für alle Unternehmen bis 250 Mitarbeiter geöffnet. Dies umfasst Clubs, Restaurants und Freie Berufe. Die Förderhöchstgrenze liegt bei 500.000 Euro, höhere Zuschüsse müssen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau beantragt werden.

Das bundesweit anlaufende Corona-Hilfsprogramm

Bund, Länder und weitere staatliche Institutionen stellen folgende finanzielle Hilfen bereit: Steuerliche Erleichterungen, Kurzarbeitergeld für Arbeitgeber, Liquiditätshilfen sowie Programme von Bürgschaftsbanken.

Eine zeitnah aktualisierte Übersicht der großen Maßnahmen findet sich auf den Seiten der Landesregierung https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/2020-03-13-Corona-FAQ.html  Das ist aber noch nicht alles..

Freie Berufe: Steuerberater, Anwälte, Ärzte - und die ganze Kreativwirtschaft

Die kreativen Berufe der Bereiche Musik, Grafik, Text und anderer Gestaltung werden aktuell sehr hart getroffen in Sachen Auftragslage. Auch wenn du in einer anderen Branche gegründet hast, wirst du auf Webdesign, Werbetext und vieles mehr angewiesen sein, sobald du es dir wieder leisten kannst, deshalb solltest du die folgenden Informationen an deine Dienstleistenden weiterreichen, die vielleicht gerade im schlimmsten Existenzkampf keine Zeit für Recherchen haben:

  1. Die VG Wort, die Verwertungsgesellschaft Wort für alle Textschaffenden, hat einen Sozialfond für in Not geratene Autoren und gewährt im Jahr, in dem man 50 wird, einen Zuschuss zur Altersvorsorge. Mitglieder finden die Infos hier: https://www.vgwort.de/die-vg-wort/sozialeinrichtungen/sozialfonds.html

  2. Die Künstlersozialkasse, in der alle Kreativberufe pflichtversichert sind, zieht ihre Beiträge aufgrund von selbst vorgenommenen Schätzungen zum Jahresende ein. Diese Schätzung können Freischaffende jederzeit korrigieren und so in Krisenzeiten die monatlichen Beiträge heruntersetzen, weil das Einkommen niedriger sein wird.

Alle Selbständigen haben außerdem die Möglichkeit, unbürokratisch die laufenden Steuervorauszahlungen fürs Jahr zu stunden und je nach Fall sogar zurück zu bekommen mit einem "Antrag auf Herabsetzung der Einkommensteuer-Vorauszahlung", der auf den Seiten der Finanzämter bereitsteht. Denn allgemein werden gerade die Möglichkeiten zur Stundung von Steuerzahlungen, zur Senkung von Vorauszahlungen und im Bereich der Vollstreckung verbessert. Das ist gerade für Freiberufler und kleine Unternehmen sehr wichtig, die sich hierfür mit ihrem Finanzamt in Verbindung setzen oder ihren Steuerberatenden beauftragen sollten. Auf keinen Fall warten: Alle Systeme sind überlastet und es kann wichtig sein, einen schriftlichen Nachweis darüber vorlegen zu können, dass du dich bereits früh bemüht hast!

Die Krise schüttelt gerade alles und alle durch, aber neben dem wertvollen Austausch in Gruppen, Foren und anderen Communities lohnt es sich, die Nachrichten der Ämter, Behörden und IHKs aufmerksam zu verfolgen. Wenn die große Welle durch ist, werden überall zusätzliche Hilfsangebote auftauchen. Du hast kurz vor der Krise gegründet oder mittendrin, aber das ist nicht das Ende.

Tipp: Wenn du Mitarbeiter beschäftigst und dir jetzt die Umsätze wegbrechen, kannst du über deine zuständige Arbeitsagentur Kurzarbeitergeld beantragen. Dann musst du Beschäftigten nicht kündigen und kannst nach der Krise mit der gleichen Belegschaft möglichst schnell weiterarbeiten. Das für April geplante vereinfachte und großzügigere Verfahren tritt laut Bundesarbeitsminister Heil rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft. Damit kannst du ab sofort deinen Antrag stellen, auch wenn „nur“ 10 Prozent der Beschäftigten vom Auftragsrückgang betroffen sein sollten. Es werden bis zu 67 Prozent des Nettolohns erstattet, die Agentur für Arbeit übernimmt alle

Krisenmanagement Kurzarbeit Liquiditätshilfen Steuern sparen
Frau Carola Heine Marketing Expertin mehr erfahren

Carola Heine ist Autorin, Blogger, Marketing Expertin, Texterin und nicht zuletzt IT-Fachjournalistin mit über 20 Jahren Erfahrung. Als Nerd und Digital Native der ersten Stunde schreibt sie häufig für die Community der Freelancer und anderen Selbständigen oder hilft dem Mittelstand in der operativen Transformation.

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