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5 Wege, Existenzgründungs-Burnout zu umgehen

06.03.2020
© von Adobe Stock | New Africa

Die ersten drei Jahre ab Gründung sind die anstrengendsten, doch das Tempo der ersten zwölf Monate schlägt alles, was dir bisher begegnet ist und später noch begegnen wird. Wir zeigen dir fünf Wege auf, die dir dabei helfen, von den hohen Anforderungen der Existenzgründungsphase überwältigt zu werden, damit du einen Gründer-Burnout vermeiden kannst.

Von Carola Heine

Wenn du frisch gegründet hast, kennst du das Gefühl: Alles ist spannend, anstrengend und neu. Jede Herausforderung ist gleichzeitig ein Adrenalinstoß und angenehm aufregend, denn es gehört zur Existenzgründung, Challenge um Challenge zu bewältigen: Rechtliche Vorgaben einhalten, die passende Geschäftsform wählen, ins Marketing starten, Lieferanten oder Mitarbeiter oder Geschäftspartner finden, ein Netzwerk aufbauen, Steuern und Buchhaltung bewältigen und dann noch dein Tagesgeschäft – uff! Es ist wenig erstaunlich, dass so viel dauerhafte Anspannung jederzeit in einen waschechten Burnout umschlagen kann, wenn du nicht auf dich achtest.

Wir haben fünf bewährte Verhaltensweise für dich, die dein Leben erleichtern und dir zum richtigen Mindset verhelfen, um unbeschadet und erfolgreich durch die Stürme der ersten Jahre zu surfen, während du deine Geschäftsidee aufbaust.

Digitalkompetenz

Egal welche Frage dich umtreibt, welches Problem du lösen möchtest oder welche Aufgabe gerade ansteht, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass jemand das bereits für dich gelöst hat. Warum solltest du dich also selbst damit quälen, wenn eine kurze Recherche in Google oder Bing dir hilft, eine App oder eine VA zu finden, die dich entlastet? Geh immer davon aus, dass du nicht der erste Mensch mit dieser Frage bist und dass andere bereits eine Lösung gefunden haben, von der du profitieren kannst. Buchhaltung? Digitale Belegbuchung mit automatischer Zuordnung. Übersetzungen? Professionelle Tools, die 90% Vorarbeit leisten. Anzeigendesign? Profi-Designer oder Vorlagen von canva.com und Co.

Was immer es ist, mach es weder manuell noch auf eigene Faust. Lös deine Anforderungen digital und so, dass die Ergebnisse sich wiederholen und im Idealfall die Aufgabe sich outsourcen lässt.

Luft nach oben

Alles, was du in der Gründungsphase tust, machst, planst und anfasst, ist auf Erfolg ausgerichtet. Trotzdem sind viele Existenzgründer:innen komplett überwältigt und überhaupt nicht bereit, wenn das gewünschte Wachstum auch wirklich eintritt, denn sie haben hemmungslos stets alles gegeben und sind auf noch mehr jetzt wirklich nicht auch noch vorbereitet. Dabei ist es eine reine Planungssache, ob du dein Business so aufsetzt, dass du beständig bei 75% deiner Kapazitäten arbeitest und Luft nach oben hast. Du musst es dir nur einfach klarmachen, dann planen und umsetzen.

Wachstum und Erfolg können schneller um die Ecke kommen als du es dir in der frühen Gründungsphase vorstellen kannst. Du solltest den ersehnten Durchbruch als festes Ereignis bereits einkalkulieren, dann fegt er dich auch nicht organisatorisch um.

Stoizismus

Der dunkle Zwillingsbruder von Perfektionismus hilft dir beim Loslassen und wichtiger noch, beim Loslegen. Jede Gründerin und jeder Gründer kennt das berühmt-berüchtigte Verzögern in der Vorbereitungszone. Man weiß ja nicht, was kommt. Weiß man beim Gründen zwar sowieso nicht, aber in diesem Fall zögern wir alle besonders gerne den Start einer neuen Idee hinaus, indem wir uns erfolgreich einreden, dass die Vorbereitung noch nicht perfekt ist. Noch mehr Tests, noch mehr Gefuddel am Businessplan, noch andere Befragungen und eine viel bessere Website als die bisherige, dann könnte es losgehen. Aber auch wirklich erst dann. Diese Einstellung zieht unwahrscheinlich viel Energie, die du anderswo brauchst.

Hör auf mit dem sorgfältig konstruierten Bullshit und leg los. Du weißt nämlich selbst ganz genau, dass die wertvollsten Erkenntnisse durch Live-Tests kommen und du im laufenden Betrieb mit echten Kunden am meisten lernst.

Work-Wellness-Balance

Zu den unverhandelbaren Aufgaben von Existenzgründer:innen gehört die Pflicht, sich um das eigene Wohlergehen so gut und sorgfältig zu sorgen wie um ein höchst wichtiges Kundenprojekt. Besser, sogar. Denn durchzuarbeiten ohne Pausen sorgt nicht für Erfolg, sondern für dünne Nerven und Verbitterung. Hör nicht auf die Propaganda-Maschinerie vom fleißigen ständig verfügbaren, rund um die Uhr schuftenden Fleißbienchen. Die Zeiten sind vorbei, und sich ab und zu mal über den Druck auskotzen ersetzt keinen echten und regelmäßigen Ausgleich mit Familie, Freunden und Bekannten.

Setz dir Termine in den Kalender, an denen es um dich und dein Wohlbefinden geht. Schließlich hast du gegründet, um gut und besser zu leben – dann mach das auch. Dich um dich selbst kümmern gehört zum Job als Entscheider.

Resilienz

Irgendwas ist immer. Das erlernen alle frischen Selbständigen sofort im Spagat zwischen Kunden und Finanzamt, Markt und eigener Befindlichkeit. Es wird niemals ein Jahr geben, in dem nichts geschieht, was gefühlt oder tatsächlich deine Existenz gefährden kann, wenn du nicht richtig damit umgehst. Zum Glück gibt es Berater für jede Lebenslage. Was du verinnerlichen solltest: Besonders in den ersten Jahren sammelst du Erfahrungen und jeder Fehler ist eine wertvolle Erkenntnis. Du musst sie trotzdem nicht alle selbst machen.

Die Nase im rauesten Wettbewerbs-Wind und immer eine Challenge unter dem Bug, das ist kein persönlicher Schicksalsschlag und kein zu bejammerndes endloses Pech, sondern unternehmerischer Alltag.

Ein Gründer-Burnout schleicht sich ganz harmlos an und scheint sich zunächst noch durch gelegentliches Durchschlafen von Feiertagen und Wochenenden abwenden zu lassen, das ist aber nicht so. Aufgepasst: Die Erschöpfung sitzt tiefer und während du noch dafür bewundert wirst, das alte Mantra von „selbst und ständig“ in deine Selbständigkeit übernommen zu haben, bist du schon zu ausgelaugt, um auf größere Krisen noch passgenau zu reagieren.

Nichts persönlich und nicht alles so ernst nehmen, delegieren und lockerlassen und immer auch für Auszeiten sorgen: Je höher die Stresswogen der Gründungsphase schlagen, desto wichtiger wird es für dich, keine Burnouts zu züchten.

Persönlichkeitsentwicklung
Frau Carola Heine Marketing Expertin mehr erfahren

Carola Heine ist Autorin, Blogger, Marketing Expertin, Texterin und nicht zuletzt IT-Fachjournalistin mit über 20 Jahren Erfahrung. Als Nerd und Digital Native der ersten Stunde schreibt sie häufig für die Community der Freelancer und anderen Selbständigen oder hilft dem Mittelstand in der operativen Transformation.

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